05 / 06 / 26

Eine gebrauchte Gitarre kaufen: Der ultimative Ratgeber für Secondhand-Instrumente (A4)

Riento Guitars Team & KI-unterstützte Übersetzung

Der Gebrauchtmarkt ist voll von unentdeckten Schätzen. Egal, ob Sie durch lokale Kleinanzeigen stöbern, in Online-Foren suchen oder einen Flohmarkt in der Nachbarschaft besuchen – der Kauf einer gebrauchten Gitarre wirkt oft wie eine fantastische Möglichkeit, bares Geld zu sparen.

Für Hobbyisten bietet sich hier die Chance, ein Instrument mit echtem Charakter und Geschichte zu finden. Für Eltern, die eine gute Gitarre für ein Kind suchen, erscheint der Secondhand-Markt als risikoarmer Einstieg, um erst einmal zu testen, ob das neue Hobby überhaupt von Dauer ist. Auch für fortgeschrittene Spieler öffnet der Gebrauchtmarkt Türen zu hochwertigeren Instrumenten, die als Neuware das Budget sprengen würden.

Gitarren sind jedoch keine unbeweglichen Möbelstücke. Sie bestehen aus lebendigem Holz und stehen durch den Zug der Saiten unter permanentem, enormem Druck. Ein Instrument, das auf einem unscharfen Online-Foto wunderschön aussieht, kann strukturelle Mängel aufweisen, die das Spielen schwer, unkomfortabel oder sogar schmerzhaft machen. Besonders für Einsteiger ist das fatal: Eine schlechte Bespielbarkeit ist einer der häufigsten Gründe, warum Anfänger in den ersten Wochen frustriert aufgeben. Bevor Sie sich mit einem Verkäufer treffen oder auf „Kaufen“ klicken, sollten Sie genau wissen, worauf Sie achten müssen. Dieser Ratgeber erklärt die Vor- und Nachteile des Gebrauchtkaufs und bietet Ihnen eine praktische Checkliste für die Inspektion vor Ort.

Inhalt 

1. Vor- und Nachteile des Gebrauchtkaufs: Ist Secondhand das Richtige für Sie?
2. Eine gebrauchte Gitarre prüfen: Die drei kritischen Kernbereiche
3. Die Korpusstruktur: Risse, Steg und die Bewegung des Holzes
4. Bünde und Saitenlage: Der Bespielbarkeitstest
5. Die Krümmung des Gitarrenhalses: Verzug, Relief und Verdrehungen
6. Spezifische Checkliste nach Gitarrentyp: Konzert-, Westerngitarren und E-Gitarren
7. Die versteckten Kosten: Die Illusion vom „100-Euro-Schnäppchen“
8. Gitarre für Anfänger: Gebraucht oder neu kaufen?
9. Tipps für fortgeschrittene und professionelle Musiker
10. Entscheidungstabelle für den Gebrauchtkauf
11. Fazit: So treffen Sie die richtige Entscheidung
12. Häufig gestellte Fragen (FAQ)

1. Vor- und Nachteile des Gebrauchtkaufs: Ist Secondhand das Richtige für Sie?

Der Kauf einer gebrauchten Gitarre kann eine kluge Entscheidung sein, ist aber nicht immer der sicherste Weg. Die richtige Wahl hängt von Ihrer Erfahrung, Ihrem Budget und Ihrer Risikobereitschaft ab.

Die Vorteile 

  • Geringere Einstiegskosten: Sie erhalten oft ein deutlich besseres, höherwertiges Modell zum Preis eines minderwertigen neuen Einsteigerinstruments.
  • Kaum Wertverlust: Wenn Sie eine gebrauchte Gitarre zu einem fairen Marktpreis kaufen und sie gut pflegen, können Sie sie später meist ohne großen Verlust wieder verkaufen, falls das Hobby pausiert wird.
  • Das „eingespielte“ Gefühl: Ältere Gitarren klingen durch die jahrelange Schwingung des Holzes oft offener und fühlen sich am Hals vertrauter und eingespielter an.
  • Exklusive Auswahl: Auf dem Secondhand-Markt finden Sie seltene Modelle, eingestellte Sonderserien oder Hölzer, die heute im Laden gar nicht mehr erhältlich sind.

Die Nachteile 

  • Keine Garantie oder Rückgaberecht: Wenn die Gitarre nach dem Privatkauf Mängel entwickelt, tragen Sie die Reparaturkosten komplett selbst.
  • Versteckte Schäden in der Substanz: Ein verzogener Gitarrenhals, ein loser Steg oder gerissene Deckenbalken im Inneren fallen Laien selten sofort auf.
  • Anfällige Verschleißteile: Bünde, Mechaniken, die Elektronik oder die Sättel können bereits am Ende ihrer Lebensdauer sein und einen Austausch verlangen.
  • Zusätzliche Setup-Kosten: Eine gebrauchte Gitarre muss fast immer professionell eingestellt werden, um wieder optimal spielbar zu sein.

2. Eine gebrauchte Gitarre prüfen: Die drei kritischen Kernbereiche

Wenn Sie ein Secondhand-Instrument inspizieren, lassen Sie sich nicht von einer frisch polierten Lackierung oder kleinen Oberflächenkratzern blenden. Kosmetische Makel sind kein Problem. Strukturelle Mängel und Fehler in der Bespielbarkeit dagegen schon.

Konzentrieren Sie sich bei der Besichtigung vor allem auf diese drei Kernbereiche:

  • Der Korpus: Achten Sie auf Risse, lose Stege, Beulen oder Anzeichen von falscher Lagerung (zu trockene oder feuchte Luft).
  • Die Bünde und die Saitenlage: Stellen Sie sicher, dass das Greifen leichtfällt und die Saiten beim Anschlagen nicht scheppern.
  • Der Hals: Prüfen Sie die Ausrichtung und Geradheit des Halses auf Verkrümmungen oder Verdrehungen.

Sollte eine Gitarre in auch nur einem dieser Bereiche massive Mängel aufweisen, übersteigen die Kosten beim Gitarrenbauer (Luthier) schnell den eigentlichen Wert des Instruments.

3. Die Korpusstruktur: Risse, Steg und die Bewegung des Holzes

Akustische Gitarren und Konzertgitarren gebraucht zu kaufen, erfordert einen genauen Blick auf den Korpus. Sie sind aus sehr dünnem Holz gebaut, was ihnen Resonanz und Lautstärke verleiht, sie aber auch extrem anfällig für Klimaschwankungen, Heizungsluft und falsche Lagerung macht.

Den Steg prüfen (Bridge) 

Der Steg ist das Holzbauteil, das auf die Decke der Gitarre geleimt ist und die Saiten hält. Schauen Sie sich die hintere Kante des Stegs ganz genau an:

  • Gibt es einen sichtbaren Spalt zwischen dem Steg und der Gitarrendecke?
  • Können Sie die Ecke eines dünnen Stücks Papier unter den Steg schieben?
  • Wirkt der Steg gekippt oder einseitig angehoben?

Ein Gitarrensteg löst sich meist schleichend durch den permanenten Zug der Saiten. Wenn die Leimverbindung erst einmal nachgibt, kann der Steg irgendwann komplett abreißen und dabei tiefe Fasern aus der Fichten- oder Zederndecke reißen. Eine aufwendige und teure Reparatur ist dann unvermeidlich.

Risse im Holz aufspüren 

Untersuchen Sie die Decke, den Boden und die Zargen (Seitenwände) der Gitarre akribisch. Haarrisse im Klarlack (sogenanntes Lack-Checking) sind meist rein kosmetischer Natur. Ein echter Riss geht tief in oder komplett durch das Holz.

Risse in der Nähe des Stegs, des Schalllochs oder am Halsfuß sind besonders kritisch. Nutzen Sie die Taschenlampe Ihres Smartphones, um durch das Schallloch ins Innere zu blicken. Prüfen Sie, ob die Leisten der Deckenbeleistung (Bracing) fest mit dem Holz verbunden sind oder sich bereits gelöst haben.

Verformungen durch das Raumklima 

Holz arbeitet. Zu trockene Luft (wie im Winter durch Heizungen) lässt das Holz schrumpfen, zu feuchte Luft lässt es aufquellen.

Betrachten Sie die Decke im Profil. Eine ganz leichte Wölbung hinter dem Steg ist durch den Saitenzug normal. Eine starke, unnatürliche Beule deutet auf strukturelle Überlastung hin. Eine Kuhle (Einsenkung) vor dem Steg ist ein klassisches Zeichen für ein ausgetrocknetes Instrument. Scharfe, overstehende Bundkanten an den Seiten des Griffbretts verraten sofort, dass das Holz des Halses durch Trockenheit geschrumpft ist.

4. Bünde und Saitenlage: Der Bespielbarkeitstest

Die Bespielbarkeit einer Gitarre entscheidet darüber, ob man das Instrument gerne in die Hand nimmt – das gilt ganz besonders für Anfänger. Eine optisch makellose Gitarre bringt Ihnen nichts, wenn jeder Akkord Schmerzen verursacht oder die Töne unsauber schnarren.

Der Bundverschleiß (Fret wear) 

Die Bünde sind die feinen Metallstäbchen im Griffbrett. Bei jedem Greifen reibt die Saite auf dem Metall. Nach jahrelanger Nutzung nutzt sich das Metall ab. Schauen Sie vor allem auf die ersten fünf Bünde unter den dünnen Saiten. Hier entstehen am schnellsten tiefe Einkerbungen, da dort die typischen Anfängerakkorde gegriffen werden.

Achten Sie besonders auf tiefe Kerben im Metall, flachgespielte Bundkronen oder Töne, die beim Spielen absterben (sogenannte Dead Notes). Leichter Bundverschleiß ist normal. Tiefe Rillen erfreuen jedoch keinen Spieler, da sie zu Intonationsproblemen und Schnarren führen. Eine Bundabrichtung inklusive Politur kostet beim Fachmann schnell 100 bis 200 Euro, eine komplette Neubundierung deutlich mehr.

Die Saitenlage (Action) 

Unter „Saitenlage“ versteht man den Abstand zwischen der Saite und den Bundstäbchen. Sind die Gitarrensaiten zu hoch, wird das Greifen zur Qual. Der Spieler muss enorm viel Kraft aufwenden, was zu Schmerzen in den Fingerkuppen führt und schnelle Akkordwechsel blockiert. Dies ist ein absolut kritisches Kriterium für Kinder, Neueinsteiger ja Menschen mit kleineren Händen.

Der Schnelltest: Greifen Sie ein paar einfache Akkorde in den ersten Lagen. Spielen Sie dann einzelne Töne im 5. und 12. Bund an. Müssen Sie unnatürlich fest drücken? Wirken die Saiten meilenweit vom Griffbrett entfernt? Eine niedrige Saitenlage ist komfortabel, darf aber nicht so tief sein, dass die Saiten bei normalem Anschlag scheppern. Das Ziel ist eine gesunde, ausgewogene Balance.

5. Die Krümmung des Gitarrenhalses: Verzug, Relief und Verdrehungen

Der Hals einer Gitarre sollte fast gerade sein, mit einer minimalen Wölbung nach vorne (dem sogenannten Relief), damit die Saite Platz zum Schwingen hat. Ein minimaler Bogen ist gewollt, ein massiver Verzug hingegen ein Totalschaden-Kandidat.

Der „Gewehrlauf-Test“ 

Nehmen Sie die Gitarre auf Augenhöhe und blicken Sie vom Korpus aus am Hals entlang nach oben zur Kopfplatte – genau so, als würden Sie über den Lauf eines Gewehrs zielen. Betrachten Sie die Kante des Griffbretts:

  • Verläuft der Hals in einer relativ geraden Linie?
  • Liegen die Bundstäbchen parallel zueinander?
  • Ist eine Seite des Halses höher als die andere verdreht (Propeller-Effekt)?

Ein stark nach vorne oder hinten durchgebogener oder in sich verdrehter Hals ist das größte Warnsignal beim Kauf einer Secondhand-Gitarre.

Die Falle mit dem Halsstab (Truss Rod) 

Die Wikipedia-tauglichen meisten Gitarren mit Stahlsaiten (Westerngitarren und E-Gitarren) haben im Inneren des Halses einen einstellbaren Metallstab, den Halsstab. Mit ihm lassen sich leichte Veränderungen der Holzkrümmung korrigieren. Er hat jedoch Grenzen. Er kann eine saisonale Holzbewegung ausgleichen, aber er kann keinen in sich verdrehten Hals retten oder einen falschen Halswinkel am Korpus-Gelenk reparieren.

Wichtiger Hinweis: Eine klassische Konzertgitarre für Anfänger besitzt traditionell meist keinen einstellbaren Halsstab. Wenn sich hier der Hals verzieht oder die Saitenlage extrem ansteigt, ist eine Reparatur wirtschaftlich meist nicht mehr rentabel.

6. Spezifische Checkliste nach Gitarrentyp: Konzert-, Westerngitarren und E-Gitarren

Konzertgitarre (Nylon-Saiten) 

Die Konzertgitarre ist der absolute Klassiker als Instrument für ein Kind oder für den Unterricht an der Musikschule. Ihre Nylon-Saiten sind deutlich weicher und schonender für die Fingerkuppen als Stahlsaiten.

Halsstabilität: Da meist kein Halsstab verbaut ist, muss der Hals von Natur aus gerade sein. Ist er krumm, nehmen Sie Abstand vom Kauf.

Saitenlage: Konzertgitarren haben bauartbedingt eine etwas höhere Saitenlage als E-Gitarren, sie sollte sich aber dennoch mühelos greifen lassen.

Kopfplatte: Achten Sie auf Risse an den Fensteröffnungen der Kopfplatte, wo die Plastikwalzen der Mechaniken gelagert sind.

Westerngitarre (Stahlsaiten) 

Stahlsaiten üben einen enormen Zug (oft über 70 kg) auf den Korpus und den Hals aus. Diese dauerhafte Belastung hinterlässt bei schlechter Pflege oder zu trockener Lagerung schnell Spuren.

Steg-Inspektion: Das Risiko, dass sich der Steg löst, ist hier am höchsten.

Halswinkel (Neck Angle): Wenn die Saitenlage trotz einer bereits komplett flach gefeilten Stegeinlage immer noch zu hoch ist, benötigt die Gitarre einen „Neck Reset“ (Abnehmen und Neuverleimen des Halses) – eine teure Arbeit für den Fachmann.

E-Gitarre 

E-Gitarren sind mechanisch sehr robust und bieten viele Einstellmöglichkeiten, besitzen dafür aber anfällige Elektronik und Hardware. Testen Sie eine E-Gitarre nach Möglichkeit immer an einem Verstärker.

Tonabnehmer (Pickups): Schalten Sie alle Positionen des Wahlschalters durch. Kommt überall ein klares Signal an?

Potentiometer (Regler): Drehen Sie an den Reglern für Lautstärke und Ton. Ein lautes Kratzen oder Knistern im Verstärker deutet auf verschmutzte oder verschlissene Bauteile hin.

Klinkenbuchse: Wackeln Sie leicht am eingesteckten Kabel. Wenn das Signal aussetzt, muss die Buchse nachgelötet oder getauscht werden.

7. Die versteckten Kosten: Die Illusion vom „100-Euro-Schnäppchen“

Eine gebrauchte Gitarre mag auf den ersten Blick extrem günstig erscheinen. Die tatsächlichen Kosten berechnen sich jedoch immer aus: Kaufpreis + alle Kosten, um das Instrument optimal spielbar zu machen.

Hier ist ein realistisches Rechenbeispiel:

  • Kaufpreis der gebrauchten Gitarre: 100 €
  • Ein neuer Satz Qualitäts-Saiten: 10 €
  • Grundreinigung und Setup beim Gitarrenbauer (Saitenlage, Intonation): 70 €
  • Austausch einer defekten Mechanik oder eines Kleinteils: 30 €
  • Tatsächlicher Gesamtpreis: 210 €

Aus dem vermeintlichen 100-Euro-Schnäppchen ist plötzlich ein Investment geworden, das doppelt so teuer ist. Das muss kein schlechter Deal sein, wenn die Substanz der Gitarre danach hervorragend ist. Wenn jedoch noch ein starker Bundverschleiß oder ein verzogener Hals hinzukommen, verwandelt sich das Ersparte schnell in Frust.

8. Gitarre für Anfänger: Gebraucht oder neu kaufen?

Die beste Wahl hängt ganz von Ihrem eigenen Vorwissen und dem Verwendungszweck ab.

Wann der Gebrauchtkauf Sinn macht 

Sie spielen selbst bereits Gitarre und können den Zustand von Hals, Bünden und Saitenlage sicher beurteilen. Sie planen ohnehin ein Budget für ein professionelles Setup ein und kaufen das Instrument von einer vertrauenswürdigen Person oder können es vor Ort persönlich testen.

Wann der Neukauf die deutlich sicherere Wahl ist

  • Sie sind absoluter Anfänger und wissen nicht, wie man die Qualität der handwerklichen Verarbeitung prüft.
  • Sie suchen eine verlässliche Gitarre für ein Kind für den Musikschulstart und möchten volle Garantie, Gewährleistung und ein unkompliziertes Rückgaberecht nutzen.
  • Sie erwarten ein Instrument, das ab dem ersten Tag perfekt funktioniert, sauber eingestellt ist und eine angenehm niedrige Saitenlage bietet.

Ein Einsteiger benötigt kein perfektes High-End-Instrument, aber eine tadellos bespielbare Gitarre. Wenn das Instrument Schmerzen verursacht, sich ständig verstimmt oder unsauber klingt, verliert das Kind oder der Anfänger in Rekordzeit die Lust am Üben.

Experten-Tipp: Sie möchten das unkalkulierbare Risiko des privaten Gebrauchtmarktes komplett umgehen? Jedes einzelne Instrument in unserem Online-Shop wird vor dem Versand einem strengen Strukturcheck unterzogen und von einem Profi optimal auf leichte Bespielbarkeit eingestellt. So starten Anfänger und Kinder vom ersten Tag an mit voller Begeisterung.

9. Tipps für fortgeschrittene und professionelle Musiker

Erfahrene Gitarristen wissen meist genau, welches Halsprofil oder welche Klangcharakteristik sie suchen. Doch auch im gehobenen Segment oder bei Vintage-Instrumenten lauern spezifische Gefahren auf dem Secondhand-Markt.

Achten Sie bei teuren Instrumenten besonders auf:

  • Die Restbundhöhe: Eine edle Gitarre mit flachen Bünden kann ein guter Kauf sein – aber nur, wenn der Preis die Kosten für eine baldige, fachmännische Neubundierung widerspiegelt.
  • Die Originalität der Bauteile: Bei Sammler- oder Vintage-Gitarren führen getauschte Tonabnehmer, Mechaniken oder eine nachträgliche Neulackierung zu massiven Werteinbußen auf dem Sammlermarkt.
  • Frühere Reparaturen: Ein fachmännisch geleimter Kopfplattenbruch beeinträchtigt den Klang oder die Stabilität oft überhaupt nicht, muss sich aber in einem deutlich niedrigeren Verkaufspreis niederschlagen.
  • Die Lagerungshistorie: Fragen Sie gezielt nach den Wintermonaten. Gitarren, die über Jahre direkt neben der laufenden Heizung ohne Luftbefeuchter gelagert wurden, neigen zu unsichtbaren Spannungen im Holz.

10. Entscheidungstabelle für den Gebrauchtkauf

Eine Kurzanleitung zum Kauf einer gebrauchten Gitarre
Inspektionsbereich Gutes Zeichen Warnsignal Risiko-Level
Korpus / Decke Keine Risse, Decke eben, feste Verbindungen. Risse durch das Holz, gelöste Deckenbalken im Inneren. Hoch
Steg (Bridge) Nahtlos und fest auf die Decke geleimt. Lichtspalt unter dem Holz, Steg kippt nach vorne. Hoch
Hals (Neck) Sichtbar gerade mit minimalem, gewolltem Relief. Hals in sich verdreht (Propeller), Risse am Halsfuß. Hoch
Bünde Glatte Oberfläche, kaum sichtbare Spielspuren. Tiefe Rillen unter den Saiten, Töne sterben ab. Mittel bis Hoch
Saitenlage Saiten nah am Griffbrett, leicht zu drücken. Saiten extrem hoch, Greifen erfordert enorme Kraft. Mittel bis Hoch
Mechaniken Drehen weich und halten die Stimmung sauber. Achsen wackeln, Zahnräder springen, Knöpfe blockieren. Mittel
Elektronik Klares Signal am Amp ohne Nebengeräusche. Lautes Krachen beim Drehen der Regler, Aussetzer. Mittel
Saiten Sauber oder einfach nur alt. Saiten verrostet oder fehlen teilweise. Sehr gering
Kosmetik Kleine Kratzer oder Dellen im Klarlack. Rein optische Mängel ohne Einfluss auf die Struktur. Keines (Rein optisch)

11. Fazit: So treffen Sie die richtige Entscheidung

Eine großartige gebrauchte Gitarre zu finden, erfordert etwas Geduld und Recherche, kann sich aber finanziell und emotional enorm lohnen. Ein Secondhand-Instrument ist immer dann einen Kauf wert, wenn die Holzsubstanz gesund ist, der Steg bombenfest sitzt, der Hals gerade verläuft und der finale Preis auch nach Einberechnung neuer Saiten und eines Setups absolut Sinn macht.

Haben Sie keine Scheu, dem Verkäufer vorab gezielte Fragen zu stellen:

  • Aus welchem Jahr stammt die Gitarre genau?
  • Wurde sie jemals modifiziert oder repariert?
  • Wie wurde das Instrument gelagert (im Koffer, auf dem Ständer, mit Luftbefeuchter)?
  • Wann wurden die Saiten das letzte Mal gewechselt?

Für Kinder, Schüler oder den entspannten Einstieg ohne Kopfzerbrechen ist der Weg zu einer neuen, lutherisch geprüften Gitarre oft die stressfreiere und sicherere Wahl. Wenn Sie jedoch das nötige Fachwissen mitbringen oder jemanden zur Besichtigung mitnehmen können, bietet der Gebrauchtmarkt fantastische Gelegenheiten. Die goldene Regel bleibt simpel: Kaufen Sie die Gitarre, die sich leicht spielen lässt, strukturell gesund ist und unter Berücksichtigung aller Folgekosten fair bepreist ist.

12. Häufig gestellte Fragen – FAQ

Ist es sicher, eine gebrauchte Gitarre online zu kaufen, ohne sie vorher anzuspielen? 

Nein, das ist immer ein großes Risiko, es sei denn, das Portal bietet einen umfassenden Käuferschutz oder ein klares Rückgaberecht. Fotos zeigen extrem selten einen verdrehten Hals, lose Balken im Inneren oder ein schleichendes Ablösen des Stegs. Ohne das Instrument selbst in den Händen gehalten zu haben, bleibt der Online-Gebrauchtkauf ein Glücksspiel.

Was sollte ich zur Besichtigung einer Secondhand-Gitarre mitbringen? 

Nehmen Sie ein Stimmgerät (oder eine Tuner-App auf dem Smartphone), ein Plektrum, eine kleine Taschenlampe für das Korpusinnere und ein dünnes Stück Papier mit, um den Steg auf Ablösungen zu prüfen. Wenn Sie eine E-Gitarre testen, vereinbaren Sie vorab mit dem Verkäufer, dass ein funktionierender Verstärker und ein Kabel bereitstehen.

Wie viel kostet es, einen verzogenen Gitarrenhals zu reparieren? 

Wenn der Hals lediglich eine Korrektur über den internen Halsstab benötigt, sind die Kosten gering und liegen meist zwischen 30 und 50 Euro beim Fachmann. Ist der Hals jedoch in sich verdreht, hat einen falschen Winkel zum Korpus oder besitzt gar keinen Halsstab (wie viele günstige Konzertgitarren), kann eine Reparatur mehrere hundert Euro kosten. Bei Einsteigergitarren übersteigt dies fast immer den Wert des Instruments.

Ist eine gebrauchte Gitarre für Anfänger besser als eine neue? 

Nicht zwingend. Eine gebrauchte Gitarre bietet oft mehr Klangqualität fürs Geld – aber nur, wenn sie sich in einem tadellosen Zustand befindet und perfekt eingestellt ist. Anfänger fahren mit einer neuen oder professionell geprüften Gitarre meist besser, da sie alle mechanischen Unsicherheiten eliminiert. Eine leichte Bespielbarkeit und Stimmstabilität sind zu Beginn wichtiger als das Sparen der letzten 20 Euro.

Was ist der gefährlichste Mangel bei einer gebrauchten Akustikgitarre?

Ein sich lösender Steg, Risse in der Decke, die durch das Holz gehen, oder ein dauerhaft verdrehter Hals sind die gravierendsten Mängel. Diese Probleme beschädigen die statische Substanz des Instruments und erfordern sehr teure Reparaturen beim Gitarrenbauer.

Sind gebrauchte Konzertgitarren für Kinder zu empfehlen?

Ja, aber nur unter der Voraussetzung, dass der Hals absolut gerade, die Saitenlage komfortabel niedrig und der Korpus frei von Rissen ist. Da Konzertgitarren meist keinen Halsstab besitzen, lassen sich Verformungen im Nachhinein kaum korrigieren. Für Kinder muss der Spielkomfort immer an erster Stelle stehen.

Sollten ich die Saiten einer gebrauchten Gitarre nach dem Kauf wechseln?

Ja, in fast allen Fällen. Gebrauchte Gitarren werden meist mit alten, stumpfen oder oxidierten Saiten übergeben. Ein neuer Satz Saiten kostet ca. 10 Euro und verbessert den Klang, das Greifgefühl und die Stimmstabilität des Instruments sofort spürbar.

Kann eine extrem billige gebrauchte Gitarre trotzdem ein guter Deal sein?

Ja, aber nur, wenn die handwerkliche Grundsubstanz absolut intakt ist. Eine billige Gitarre, die jahrelang ungenutzt im Koffer lag und lediglich neue Saiten sowie ein wenig Pflege benötigt, ist ein toller Fund. Wenn der niedrige Preis jedoch das Resultat eines krummen Halses oder abgenutzter Bünde ist, zahlen Sie am Ende bei den Reparaturen drauf.